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Image Stacking (Bildüberlagerung, "Bilder stapeln")
Einführung
Manche Motive sind bei Fotografen unbeliebt, weil sie einfach nicht gelingen wollen, beispielsweise
das Fotografieren aus einem schattigen Torbogen heraus auf den sonnigen Marktplatz: Wird die Belichtung
auf den hellen Außenbereich ausgerichtet, so verkommt das Innere des Torbogens zu einer
tiefschwarzen Silhouette; erhöht man dagegen die Belichtung, so treten zwar die Details im
Innern des Torbogens besser hervor, aber nun versinkt die Außenwelt in gleißender
Helligkeit. Als weiteres Beispiel seien Motive genannt, die sowohl sehr nahe als auch weit entfernte
Objekte beinhalten, so dass die Kamera in einer einzigen Aufnahme nicht mehr alles gleichermaßen
scharf erfassen kann.
Das sogenannte Image Stacking bietet für Probleme dieser Art eine Lösung: Es werden
einfach mehrere Aufnahmen gemacht, bei denen z.B. Helligkeit oder Tiefenschärfe jeweils variiert
werden. Jede dieser Aufnahmen bildet das Motiv an bestimmten Stellen zufriedenstellend ab, weist aber
Mängel in anderen Bildbereichen auf. Aus diesem Stapel von motivgleichen Bildern lässt man
von einer Software (beispielsweise und vereinfacht ausgedrückt) die jeweils besten Bildausschnitte
heraussuchen und zu einem einzigen Gesamtbild zusammenfügen. Im Idealfall ist das dabei entstehende
Bild von einer Perfektion, wie sie die zugrundeliegenden Einzelbilder - jeweils für sich
genommen - nicht erreichen (können).
Varianten
Der Begriff Image Stacking ist durch Anwendungen in der Astronomie geprägt. Dort setzt man
Verfahren ein, um aus einem Stapel von unterbelichteten, kontrastarmen, verrauschten Bildern doch noch
wertvolle Informationen heraus zu holen. Die Grundidee ist dabei, mehrere Aufnahmen eines Motivs zu
einem Gesamtbild zu überlagern, auf welchem bestimmte Aspekte deutlicher/besser herausgearbeitet
sind als auf den Ursprungsbildern. Je nach Zielsetzung wird dabei die Vorgehensweise variiert:
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Durch das Addieren der Ursprungsbilder hinsichtlich ihrer Belichtungen lässt sich ein
Gesamtbild erzeugen, welches heller ist und auf welchem sich Objekte deutlicher vom Hintergrund
abheben. Dies wird auch als Exposure Stacking bezeichnet.
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Durch eine Mittelwertsbildung lässt sich ein Gesamtbild erzeugen, welches ein geringeres
zufälliges Rauschen aufweist als die Ursprungsbilder.
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Durch geschicktes Überblenden werden auf dem Gesamtbild die Bahnen von Himmelskörpern
bzw. die Eigenbewegung der Erde sichtbar.
Längst nutzt man auch in anderen Bereichen die Grundidee des Image Stackings, z.B.
in der Makro-Fotografie: Dort wird aus Bildern mit unterschiedlichen Schärfentiefen ein
Gesamtbild erzeugt, welches sowohl nahe als auch entfernte Objekte gleichermaßen scharf
abbildet; Stichworte hierzu sind Focus Stacking und Extended Depth of Focus
(Extended DOF).
Unter den Oberbegriff Dynamic Range Increase (DRI) fallen alle Methoden zur Steigerung
des Kontrastumfangs. Diesbezüglich gibt es zwei verbreitete Verfahren, die Einzelbilder einer
ISO- oder Belichtungsreihe zu einem ungewöhnlich kontrastreichen Gesamtbild kombinieren:
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Beim Exposure Blending werden die schlecht belichteten Bereiche eines jeden Ursprungsbildes
(manuell oder automatisiert) ausmaskiert und die restlichen Bildbereiche zu einem Gesamtbild
überblendet, wobei jedoch die Farbtiefe erhalten bleibt.
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Beim FDR/HDR-Verfahren (Full/High Dynamic Range) entsteht (sehr stark vereinfacht
ausgedrückt) jedes einzelne Pixel im Gesamtbild durch gewichtetes Kombinieren der jeweils
korrespondierenden Pixel aus den Ursprungsbildern, wobei der Ansatz verfolgt wird, anhand der
vorliegenden Fotos und ihren jeweiligen Belichtungszeiten auf die tatsächliche
Beleuchtungssituation zum Zeitpunkt der Aufnahme rückzuschließen. Die Berechnungen, bei
denen u.a. die Intensitäten der Bildpunkte, die Inverse einer sogenannten Antwortfunktion und
die Belichtungszeiten eine Rolle spielen, finden zudem innerhalb großer Wertebereiche statt, so
dass das auf diese Weise generierte HDR-Bild einen Kontrastumfang annehmen kann, den herkömmliche
Monitore und Drucker nicht mehr wiedergeben können; es gibt zwar einige Grafikprogramme, die
HDR-Dateien öffnen können, aber diese zeigen das Bild meist viel zu dunkel an. Deshalb
wird in einem nachfolgenden zweiten Schritt, der als Tone Mapping bezeichnet wird, das
HDR-Bild (HDRI) in ein LDR-Bild (Low Dynamic Range Image) farbabgebildet; dabei wird die Dynamik
des Bildes wieder auf ein darstellbares Maß "zusammengedrückt".
Wird Image Stacking als "Methode zur Überlagerung von Einzelbildern zu einem Gesamtbild"
definiert, so lassen sich auch Exposure Blending und FDR / HDR hierzu
zählen. In der Praxis scheint jedoch Image Stacking noch eng an den Bereich der
Astro-Fotografie gebunden zu sein und wird eher selten als Oberbegriff für Exposure
Blending oder FDR / HDR benutzt. Hier auf dieser Seite wird der Begriff
in der allgemeineren Form verwendet und schließt somit Exposure Blending,
FDR / HDR und Focus Stacking ein.
Weiterführende Informationen zum Thema sind u.a. hier zu finden:
Anwendungsbeispiel 1: HDR und Tone Mapping
Nachfolgend wird anhand eines Beispiels verdeutlicht, welche Bildverbesserungen mittels
Image Stacking - in diesem Fall FDR / HDR mit anschließendem
Tone Mapping - möglich sind.
In einer Kirche wurde eine aus drei Bildern bestehende Serienbildaufnahme gemacht, bei der die
Belichtung variiert wurde. Bild 1 ist zwar - so zeigt es auch das zugehörige
Histogramm - stark unterbelichtet, aber die Strukturen und Farben des Kirchenfensters treten
auf diesem Bild am kräftigsten hervor. Im Bild 2 sind die Formen und Farben der
Glasscheiben bereits weniger stark ausgeprägt, während sie im Bild 3 völlig
"ausfressen" und verblassen. Dafür ist im Bild 3 der Kirchenraum am besten zu erkennen,
allerdings wirkt er unnatürlich und unangemessen hell.
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Durch das Image Stacking wurden die Gemeinsamkeiten der drei Bilder herausgearbeitet,
während ihren Unterschieden nur eine sehr geringe Beachtung zuteil wurde. Im resultierenden,
farbangepassten HDR-Bild ist der Innenraum längst nicht so dunkel wie in den Bildern 1 und 2,
und dennoch treten die Farben und Strukturen des Fensters besser hervor als in den Bildern 2 und 3.
Das Histogramm zum HDR-Bild zeigt, dass die dunklen Bildbereiche deutlich an Dynamik gewonnen haben,
aber auch das helle, lichtdurchflutete Kirchenfenster weist ausgeprägte Konturen und Farben auf.
Anwendungsbeispiel 2: Focus Stacking
Anhand des nachfolgenden Beispiels soll verdeutlicht werden, wie Focus Stacking wirkt.
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Es wurde eine Makro-Aufnahme von 3 Münzen gemacht, die in unterschiedlichem Abstand zur
Kamera aufgestellt worden waren. Der Abstand zwischen der Linse und der 1-Cent-Münze betrug
ca. 4 cm, die 20-Cent-Münze befand sich in ca. 7 cm Entfernung zur Linse und die
2-Euro-Münze war ca. 10 cm von ihr entfernt. Da die Kamera nicht in einem einzigen Bild
alle 3 Objekte gleichermaßen scharf erfassen konnte, wurden 7 Aufnahmen gemacht,
wobei jeweils auf unterschiedliche Entfernungen fokussiert wurde, und zwar in einem Bereich von
4 cm bis 10 cm in 1-cm-Schritten. Die 1-Cent-Münze wurde lediglich im Bild 1
scharf erfasst, in den nachfolgenden Bildern wirkt sie zunehmend unscharf; die 20-Cent-Münze
erreicht im Bild 4 den höchsten Grad an Schärfe, während die 2-Euro-Münze
in den Bildern 6 und 7 am besten getroffen ist. Mittels eines DOF-Stackers wurden die 7 Bilder
zu einem Gesamtbild kombiniert, welches alle 3 Münzen scharf darstellt.
Software
Picturenaut und
Qtpfsgui sind Anwendungen,
die Bilder mittels des zweischrittigen FDR/HDR-Verfahrens überblenden. Beide Programme
bieten Funktionen zum pixelgenauen Ausrichten der Ursprungsbilder, so dass man beim
Fotografieren nicht unbedingt ein Stativ benötigt, sondern es meistens genügt,
die Kamera irgendwo aufzulegen und mit ruhiger Hand auszulösen; allerdings sollte der
Apparat das automatische Aufnehmen von ISO- oder Belichtungsreihen unterstützen, damit
man nicht nach jedem Foto manuell die Belichtungs- oder ISO-Einstellung verändern muss.
Qtpfsgui ist Open-Source und beeindruckt durch eine Fülle unterschiedlicher
Tone-Mapping-Algorithmen; Picturenaut ist Freeware und kann HDR-Shop-Plugins
ausführen.
easyHDR BASIC,
FDRTools Basic
und Photomatix Basic
sind kostenlose Einstiegsversionen kommerzieller DRI-Software. Die Programme beherrschen
allesamt das zweischrittige FDR/HDR-Verfahren und bieten Funktionen zum pixelgenauen Ausrichten
der Ursprungsbilder; einige verfügen sogar über alternative Überblendungsverfahren
oder etwas bessere Einstellungsmöglichkeiten für das Tone Mapping. Trotz des reduzierten
Funktionsumfangs dieser Basisversionen lassen sich durchaus ansprechende Resultate erzielen; wer
sich jedoch gehobenen Komfort und professionellere Möglichkeiten wünscht, sollte die
kommerziellen Varianten dieser Anwendungen ausprobieren.
HDRView ist ein einfacher,
freier Bildbetrachter für HDR-Bilder.
Traumflieger
DRI-Tool ist eine Freeware, welche mittels Exposure Blending aus den Einzelaufnahmen
einer Belichtungsreihe direkt das Zielbild erstellt. Das Programm bietet leider keine Funktion zum
Ausrichten der Ursprungsbilder, so dass man während des Aufnehmens einer Bilderfolge unbedingt
ein Stativ verwenden, auf Windstille achten und die Finger von der Kamera lassen sollte.
Jasper's DRIMaker ist eine DRI-Software
für Mac OS, die auf Exposure Blending basiert. Das Programm ist Donationware.
Bei Artizen HDR,
Dynamic Photo HDR,
easyHDR PRO,
FDRTools Advanced,
HDR Shop und
Photomatix Pro
handelt es sich um kommerzielle DRI-Software. Von einigen dieser Programme gibt es kostenlose
Demo- oder Basisversionen.
CombineZP / CombineZM / CombineZ5
kombinieren Fotos einer Blenden- oder Fokusreihe zu einem Gesamtbild mit erweitertem Schärfebereich
(Extended DOF). CombineZ5 ist eine Vorgängerversion von CombineZM, welches
wiederum Vorgänger von CombineZP ist; alle drei Programme sind Open-Source.
Auto-Montage und
Helicon Focus sind kommerzielle
DOF-Stacker. Von einigen dieser Programme gibt es kostenlose Demo-Versionen.
AstroStack Light Edition,
DeepSkyStacker
und RegiStax sind
freie Stacker für den Bereich der Astronomie.
AstroStack und
TawbaWare Image Stacker sind
kommerzielle Software-Produkte, die auf Belange der Astro-Fotografie und die "klassischen" Zielrichtungen
des Image Stackings zugeschnitten sind. Von einigen dieser Programme gibt es kostenlose Demo-
oder Light-Versionen.
Keith's Image Stacker
und Lynkeos sind Astro-Stacker für
Mac OS. Keith's Image Stacker ist Shareware, Lynkeos ist Open-Source.
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